BORDERLAND

Dieses Forum ist als Austausch für psychisch kranke Menschen und ihre Angehörige gedacht. Im Portal gibt es Erklärungen zu verschiedenen psychischen Erkrankungen wie z. B. Borderlinestörung und andere Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen und SVV.
 
StartseitePortalKalenderFAQSuchenAnmeldenMitgliederNutzergruppenLogin

zurück

Paranoide Persönlichkeitsstörung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie


Paranoide -Persönlichkeitsstörung-
ICD-10-Code:
F60.0

DSM-IV-Code:
301.00
Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist durch übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Nachtragen von Kränkungen, durch Misstrauen, sowie Neigung, Erlebtes zu verdrehen, gekennzeichnet. Neutrale und freundliche Handlungen anderer werden als feindlich oder verächtlich missdeutet. Auf unberechtigten Verdächtigungen hinsichtlich der sexuellen Treue von Partnern und auf eigenen Rechten wird starrsinnig und streitsüchtig bestanden. Solche Personen können zu überhöhtem Selbstgefühl und übertriebener Selbstbezogenheit neigen (ICD-10-2005). Paranoid wird neben der Persönlichkeitsstörung im Kontext der paranoiden Schizophrenie und paranoiden Störung benutzt. Es wird von 0,5-2,5 % Betroffenen in der Gesamtbevölkerung ausgegangen.

Beschreibung

Hauptmerkmale der paranoiden Persönlichkeitsstörung sind ein durchgängiges Misstrauen, das die betroffene Person dazu veranlasst, neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindselig falsch zu interpretieren. Es besteht eine Neigung zu übermäßiger Empfindlichkeit, die durch Rechthaberei und Streitsucht kompensiert wird. Daher sind Betroffene oftmals sehr verschlossen, weil sie befürchten, infiltriert zu werden oder dass preisgegebene Informationen gegen sie verwendet werden. Sie haben dabei das Gefühl, hintergangen oder ausgenutzt zu werden. Eine überhöhte Wachsamkeit ist keine Seltenheit. Auch nahestehende Personen oder Familienangehörige werden verdächtigt und deren Treue immer wieder in Frage gestellt.
Menschen mit paranoider Persönlichkeitsstruktur neigen zu überhöhtem Selbstwertgefühl und übertriebener Selbstbezogenheit. Aus tiefenpsychologischer Sicht besteht bei Personen mit paranoider Persönlichkeitsstörung die Neigung, eigene Aggressionen auf Mitmenschen zu übertragen und dann dort als Feindseligkeit wahrzunehmen und zu bekämpfen (Projektion). Von ihren Mitmenschen werden Betroffene als scharfsinnige Beobachter beschrieben, als energisch und ehrgeizig. Da sie jedoch andere häufig anklagen, werden sie oftmals ausgegrenzt. Die Ausgrenzung geht meist mit zunehmender Fantasietätigkeit der Betroffenen einher. Auf längere Sicht haben paranoide Persönlichkeiten wegen ihrer geringen Vertrauensbereitschaft und wegen ihres kompromisslosen Vorgehens zunehmende Schwierigkeiten, tiefe zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und einen geeigneten Beruf zu finden. Ihr sonderlinghaftes Wesen trägt dazu bei. Ihr halsstarriges Verhalten, kombiniert mit ihrem Scharfsinn kann von Vorteil sein, doch hiermit bleiben ihnen hohe Positionen oftmals verwehrt.
Diese Störung geht fast immer mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher, fällt meist schon in Kindheit und Jugend auf und besteht im Erwachsenenalter weiter. Ursächlich werden zum Teil Vererbungsfaktoren genannt, aber auch ungünstige Milieueinflüsse in der frühen Jugend sollen eine Rolle spielen.

Korrelation mit anderen Störungen

Weniger als ein Viertel der paranoiden Persönlichkeiten lassen sich ohne weitere Störungen finden. Die höchsten Kodiagnosen lassen sich mit der schizotypischen Persönlichkeitsstörung finden. Die häufigsten Gleichzeitigkeitsdiagnosen sind die mit der narzisstischen, selbstunsicheren, Borderline und passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung. Es bleibt aber anzumerken, dass es wenig Forschungsarbeiten zu diesem Thema und vor allem keine empirischen Untersuchungen gibt.

Klassifikation nach ICD und DSM

ICD-10

Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:

  1. übertriebene Empfindlichkeit auf Rückschläge und Zurücksetzungen;
  2. Neigung, dauerhaft Groll zu hegen, d. h. Beleidigungen, Verletzungen, oder Missachtungen werden nicht vergeben;
  3. Misstrauen und eine anhaltende Tendenz, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missdeutet werden;
  4. Streitbarkeit und beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten;
  5. häufiges ungerechtfertigtes Misstrauen gegenüber der sexuellen Treue des Ehe- oder Sexualpartners;
  6. ständige Selbstbezogenheit, besonders in Verbindung mit starker Überheblichkeit;
  7. häufige Beschäftigung mit unbegründeten Gedanken an Verschwörungen als Erklärungen für Ereignisse in der näheren oder weiteren Umgebung.

DSM-IV

A: Tief greifendes Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen, sodass deren Motive als böswillig ausgelegt werden. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:
  1. verdächtigt andere ohne ausreichenden Grund, ihn/sie auszunutzen, zu schädigen oder zu täuschen,
  2. ist stark eingenommen von ungerechtfertigten Zweifeln an der Loyalität und Vertrauenswürdigkeit von Freunden oder Partnern,
  3. vertraut sich nur zögernd anderen Menschen an aus ungerechtfertigter Angst, die Informationen könnten in böswilliger Weise gegen ihn/sie verwendet werden,
  4. liest in harmlose Bermerkungen oder Vorkommnisse eine versteckte, abwertende oder bedrohliche Bedeutung hinein,
  5. ist lange nachtragend, d. h. verzeiht Kränkungen, Verletzungen oder Herabsetzungen nicht,
  6. nimmt Angriffe auf die eigene Person oder das Ansehen wahr, die anderen nicht so vorkommen, und reagiert schnell und zornig oder startet einen Gegenangriff,
  7. verdächtigt wiederholt ohne jede Berechtigung den Ehe- oder Sexualpartner der Untreue
B: Tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie, einer Affektiven Störung mit Psychotischen Eigenarten oder einer anderen psychotischen Störung auf und geht nicht auf direkte Wirkung eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück.
Beachte: Wenn die Kriterien vor dem Auftreten einer Schizophrenie erfüllt waren, ist "prämorbid" hinzuzufügen. Beispiel: "Paranoide Persönlichkeitsstörung (Prämorbid)".